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Crypto Asset Management2. September 20266 Min. Lesezeit

Was ist ein Segregated Managed Account (SMA) für Krypto Assets?

Von Dominik Schneeberger, Gründer & Managing Partner

Berggipfel im Alpenglühen
Mit zunehmender Professionalisierung des Krypto-Marktes stellt sich für grössere Investoren nicht nur die Frage, welche Assets gehalten werden sollen. Ebenso wichtig ist die Struktur, über die ein Portfolio verwaltet wird. Wer ein sechs- oder siebenstelliges Krypto-Vermögen professionell steuern lassen möchte, benötigt häufig mehr Individualisierung, Transparenz und Kontrolle, als ein standardisiertes Anlageprodukt bieten kann.
Eine mögliche Struktur ist der Segregated Managed Account, kurz SMA. Dabei handelt es sich um ein individuell geführtes Anlagekonto beziehungsweise Mandat. Das Vermögen wird nicht gemeinsam mit dem Kapital anderer Anleger in einem Fondsvermögen gebündelt. Stattdessen wird eine vereinbarte Strategie innerhalb eines separaten Mandats umgesetzt.
Gerade bei Crypto Assets ist diese Trennung interessant, weil sich Investoren erheblich unterscheiden: bestehende Token-Bestände, gewünschtes Risiko, Verlusttoleranz, Liquiditätsbedarf, zugelassene Instrumente und die Rolle von Krypto im Gesamtvermögen können völlig verschieden sein. Eine standardisierte Lösung muss diese Unterschiede zwangsläufig einebnen; ein Mandat kann sie abbilden.

Wie funktioniert ein Krypto-SMA?

Am Anfang steht die Definition des Mandats. Dabei wird festgelegt, welches Anlageuniversum genutzt werden darf, welche Risikogrenzen gelten, welche Instrumente eingesetzt werden können und welche Reporting- oder Governance-Anforderungen bestehen. Erst danach beginnt die eigentliche Portfoliosteuerung.
Die konkrete technische Ausgestaltung hängt vom Anbieter, der verwendeten Handels- und Verwahrungsinfrastruktur sowie vom regulatorischen Rahmen ab. Das Grundprinzip bleibt jedoch gleich: Das Portfolio des Investors wird separat geführt und die Strategie wird innerhalb der vereinbarten Parameter umgesetzt.
Dabei trennt ein sauber aufgesetztes Mandat vier Rollen voneinander: Der Kunde behält Eigentum und übergeordnete Kontrolle. Börse oder Custodian stellen Verwahrung und Handelsinfrastruktur. Der Asset Manager trifft Investmententscheidungen und steuert das Risiko. Die technische Ebene übernimmt Orderübermittlung, Monitoring und Reporting. Diese Rollentrennung ist der eigentliche strukturelle Kern eines SMA.
Ein SMA ist deshalb nicht mit einem blossen Signalservice zu verwechseln. Professionelles Management umfasst neben der eigentlichen Marktmeinung auch Positionsgrössen, Risikobudgets, Ausführung, Liquidität, Überwachung und Reporting. Bei grösseren Mandaten wird genau dieses Zusammenspiel zunehmend wichtig.

SMA versus klassischer Krypto-Fonds

Ein Fonds bündelt Kapital verschiedener Anleger und setzt für diese grundsätzlich eine gemeinsame Strategie um. Das kann effizient sein und bietet eine standardisierte Investmentlösung. Gleichzeitig hat der einzelne Investor nur begrenzten Einfluss auf die konkrete Portfoliostruktur — und er teilt sich die Liquiditätsbedingungen mit allen anderen Anlegern des Vehikels.
Ein SMA verfolgt einen anderen Ansatz. Das Mandat ist individuell und kann stärker an den Investor angepasst werden. Bestehende Positionen, Risikolimits oder bestimmte Ausschlüsse können bei der Strukturierung berücksichtigt werden, sofern sie mit Strategie und Infrastruktur vereinbar sind. Wie sich solche Mandate in der Schweiz einordnen, zeigt unsere Übersicht zum Krypto Asset Management in der Schweiz.
Das bedeutet nicht, dass ein SMA grundsätzlich besser als ein Fonds ist. Für kleinere Anlagebeträge oder Investoren, die bewusst eine standardisierte Lösung wünschen, kann ein Fonds sehr sinnvoll sein. Je grösser und individueller die Anforderungen werden, desto interessanter kann dagegen ein segregiertes Mandat werden.

Vier zentrale Vorteile für professionelle Investoren

Individualisierung. Risikoparameter, Anlageuniversum und Portfoliostruktur können innerhalb des Mandats auf den Investor abgestimmt werden.
Transparenz. Ein separat geführtes Portfolio ermöglicht eine unmittelbare Sicht auf Positionen, Exposure und Portfolioentwicklung — nicht erst mit dem Quartalsbericht eines Vehikels.
Klare Zuordnung. Das Mandat ist nicht Teil eines gemeinsam gepoolten Fondsvermögens. Das erleichtert die Zuordnung von Positionen, Ergebnissen und Verantwortlichkeiten.
Governance. Gerade für Family Offices und professionelle Investoren kann eine klare Trennung zwischen Investor, Manager, Handelsinfrastruktur und Reporting die interne Kontrolle vereinfachen.

Welche Risiken bleiben bestehen?

Ein SMA verändert die Struktur eines Mandats, beseitigt aber nicht die Risiken der Anlageklasse. Crypto Assets können erhebliche Kursverluste erleiden. Liquidität kann sich in Stressphasen verschlechtern. Börsen, Verwahrer und andere Gegenparteien können ausfallen oder den Zugang zu Vermögenswerten einschränken. Auch operative Fehler bleiben möglich.
Deshalb ist es problematisch, einen SMA allein über Begriffe wie „Sicherheit“ oder „Kontrolle“ zu verkaufen. Entscheidend ist, welche konkrete Infrastruktur verwendet wird, welche Rechte bestehen, wie Risiken überwacht werden und wie das Portfolio im Krisenfall gesteuert werden kann. Die Struktur ist eine Ebene; Risikomanagement, Verwahrung, Gegenparteien und Governance müssen gemeinsam betrachtet werden.

Segregation löst nicht das Gegenparteirisiko

Ein häufiges Missverständnis: Ein segregiertes Konto bedeutet nicht automatisch, dass kein Gegenparteirisiko besteht. Liegt das Vermögen auf einer zentralen Börse, bleibt diese Börse eine Gegenpartei — unabhängig davon, ob der Account individuell geführt wird. Segregation verbessert Zuordnung, Kontrolle und Nachvollziehbarkeit. Sie ersetzt keine Analyse der Infrastruktur dahinter.
Gegenparteirisiko lässt sich in sechs Dimensionen zerlegen: Exchange (Insolvenz, Withdrawal Halt, regulatorische Einschränkung), Custody (Key-Kontrolle, rechtliche Verwahrung, Zugriff), Wallet (Seed, Recovery, Phishing, Malware), Protocol (Smart Contracts, Bridges, Validatoren), Operational (APIs, Rechte, menschliche Fehler) und Execution (Ausfall von Venue, API oder Trading-Infrastruktur). Ein Mandat sollte zu jeder dieser Ebenen eine Antwort haben.
Praktisch bedeutet das: Berechtigungen nach dem Least-Privilege-Prinzip trennen (Trading, Read und Withdrawal sind nicht dasselbe), Withdrawal-Whitelists und Limits setzen, bei grösseren Mandaten Redundanz über mehrere Handelsplätze prüfen und — je nach Volumen — Off-Exchange-Custody-Modelle in Betracht ziehen, bei denen Collateral beim Verwahrer verbleibt, während auf der Börse nur die Trading-Balance bereitgestellt wird. Mehr dazu auf unserer Seite zu Sicherheit und Verwahrung sowie im Research Paper «Counterparty Risk Management for Crypto Assets».

Für wen kann ein Krypto-SMA sinnvoll sein?

Besonders relevant kann ein SMA für vermögende Privatkunden sein, die bereits ein grösseres Krypto-Portfolio besitzen und die laufende Steuerung nicht vollständig selbst übernehmen möchten. Ebenso kann die Struktur für Family Offices interessant sein, die eine dedizierte Crypto-Allokation in ihre bestehende Vermögensarchitektur integrieren wollen.
Auch professionelle Investoren können von der Individualisierung profitieren, wenn eine standardisierte Fondsstrategie nicht zum gewünschten Risiko- oder Anlageprofil passt. Bei grösseren Mandaten im Bereich von CHF 1 Mio. und darüber gewinnen zusätzlich Ausführungsqualität, Liquidität, Gegenparteien und Reporting an Bedeutung.
Nicht jeder Investor benötigt jedoch ein SMA. Wer lediglich langfristig eine kleine Position in Bitcoin oder Ethereum halten möchte und keine aktive Steuerung benötigt, kann mit einer einfacheren Struktur besser bedient sein.

Welche Fragen sollte ein Investor vor einem SMA-Mandat stellen?

Vor der Mandatierung sollte klar sein, wer die Vermögenswerte hält, welche Zugriffsrechte der Manager besitzt und welche Handlungen ausdrücklich ausgeschlossen sind. Ebenso wichtig sind die verwendeten Handelsplätze, die Behandlung von Gegenparteirisiken und die Prozesse für Ein- und Auszahlungen.
Auf Investmentseite sollten Anleger verstehen, wie Risiko definiert wird, wie Positionsgrössen entstehen, ob Long- und Short-Positionen möglich sind und wie sich das Management in unterschiedlichen Marktphasen verhalten soll. Hilfreich ist die konkrete Frage: Was passiert im Mandat, wenn die Marktthese nicht aufgeht — reduziertes Exposure, Stop-Logik, Umschichtung?
Schliesslich sollte das Reporting zur eigenen Governance passen. Ein Family Office benötigt häufig andere Informationen und Entscheidungswege als ein einzelner Privatkunde. Je klarer diese Punkte vor Beginn des Mandats definiert sind, desto belastbarer ist die Zusammenarbeit.

Fazit

Ein Segregated Managed Account kann eine überzeugende Struktur für Investoren sein, die ein grösseres Krypto-Portfolio individuell und professionell verwalten lassen möchten. Der eigentliche Mehrwert entsteht jedoch nicht allein durch die Bezeichnung SMA.
Entscheidend ist das Gesamtsystem aus Mandatsstruktur, Investmentprozess, Risikomanagement, Sicherheit, Ausführung und Reporting. Erst wenn diese Ebenen zusammenpassen, wird aus einem separaten Account ein professionelles Asset-Management-Mandat.
Dominik Schneeberger, Gründer & Managing Partner der Digital Estate Group AG

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Dominik Schneeberger

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