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Strategie23. September 20265 Min. Lesezeit

Krypto Asset Management vs. Buy & Hold: Wann ist aktives Management sinnvoll?

Von Dominik Schneeberger, Gründer & Managing Partner

Schneebedeckter Berggipfel unter blauem Himmel
Buy & Hold ist eine der einfachsten Investmentstrategien für Krypto Assets: Ein Investor kauft beispielsweise Bitcoin oder Ethereum und hält die Position langfristig. Aktives Krypto Asset Management verfolgt dagegen das Ziel, Positionierung und Risiko über unterschiedliche Marktphasen hinweg anzupassen.
Beide Ansätze können sinnvoll sein. Die entscheidende Frage ist nicht, welcher Ansatz grundsätzlich „besser“ ist, sondern welcher zur Zielsetzung, Risikotoleranz, Portfoliogrösse und zum Anlagehorizont des Investors passt — und in welchem Rahmen er umgesetzt wird, etwa im professionellen Krypto Asset Management.
Gerade bei grösseren Vermögen lohnt sich deshalb ein differenzierter Vergleich.

Was spricht für Buy & Hold?

Der grösste Vorteil eines passiven Ansatzes ist seine Einfachheit. Es müssen keine kurzfristigen Marktentscheidungen getroffen werden, die Transaktionshäufigkeit bleibt niedrig und der Investor partizipiert vollständig an langfristigen Aufwärtsbewegungen.
Buy & Hold reduziert zudem das Risiko, durch schlechtes Timing ständig zwischen Positionen zu wechseln. Wer von der langfristigen Entwicklung eines Assets überzeugt ist und starke zwischenzeitliche Schwankungen akzeptieren kann, kann bewusst auf taktische Steuerung verzichten.
Allerdings trägt der Investor auch die vollständigen Drawdowns. In Krypto-Märkten können diese erheblich sein und über längere Zeiträume anhalten. Passiv bedeutet nicht risikoarm, sondern nur: unverändertes Exposure.

Was versucht aktives Asset Management anders zu machen?

Aktives Management betrachtet Marktbedingungen als veränderlich. Trend, Marktstruktur, Liquidität, Volatilität, Positionierung und weitere Faktoren können sich über einen Zyklus deutlich verändern. Ein marktadaptiver Ansatz übersetzt diese Faktoren in zulässiges Exposure.
Statt dauerhaft dasselbe Exposure zu halten, kann ein aktiver Ansatz Risiko erhöhen, reduzieren oder — sofern Mandat und Instrumente dies zulassen — auch Short-Positionierungen einsetzen. Das Ziel ist nicht zwingend, jeden kurzfristigen Move zu handeln. Vielmehr soll das Portfolio an unterschiedliche Marktregime angepasst werden.
Ein solcher Ansatz ist jedoch anspruchsvoller. Er benötigt klare Regeln, disziplinierte Ausführung und ein Risikomanagement, das Fehlentscheidungen begrenzt.

Drawdown: der oft unterschätzte Unterschied

Investoren vergleichen Strategien häufig anhand der Jahresrendite. Für das tatsächliche Anlageerlebnis ist der Weg zu dieser Rendite jedoch ebenso wichtig.
Verliert ein Portfolio 20 Prozent, benötigt es anschliessend 25 Prozent Rendite, um den Ausgangswert wieder zu erreichen. Nach einem Verlust von 50 Prozent sind bereits 100 Prozent erforderlich. Tiefe Drawdowns haben deshalb einen überproportionalen Einfluss auf die langfristige Kapitalentwicklung — sie sind der Kern jedes ernsthaften Risikomanagements.
Aktives Management kann versuchen, Verlustphasen durch reduzierte Exposure oder andere Positionierung abzumildern. Es gibt jedoch keine Garantie, dass dies in jeder Marktphase gelingt.

Long und Short als unterschiedliche Werkzeuge

Ein passives Portfolio ist grundsätzlich von steigenden Kursen abhängig. Ein aktives Mandat kann — sofern vertraglich und regulatorisch vorgesehen — auch Short-Positionen einsetzen.
Short bedeutet dabei nicht, permanent gegen den Markt zu wetten. Es ist ein Instrument, um in bestimmten Abwärtsregimes eine andere Risikoausrichtung zu ermöglichen. Ebenso kann die beste Entscheidung zeitweise darin bestehen, das Exposure deutlich zu reduzieren.
Für professionelle Investoren ist deshalb weniger die Anzahl der Trades relevant als die Frage, wie konsequent das Portfolio an das Marktumfeld angepasst wird.

Kosten, Trading und Turnover

Aktives Management verursacht typischerweise mehr Transaktionen als Buy & Hold. Dadurch können Handelskosten, Spreads und gegebenenfalls weitere Gebühren entstehen. Diese Kosten müssen durch den Mehrwert der Strategie gerechtfertigt werden.
Ein professioneller Ansatz sollte deshalb nicht mit Aktivität um ihrer selbst willen verwechselt werden. Häufiges Trading ist kein Qualitätsmerkmal. Entscheidend ist, ob Transaktionen aus einem nachvollziehbaren Investmentprozess entstehen und ob Ausführungskosten in die Strategie einbezogen werden.
Bei grösseren Portfolios wird dieser Punkt noch wichtiger, weil Liquidität und Slippage stärker ins Gewicht fallen können.

Was in Stressphasen tatsächlich passiert

Der Vergleich zwischen passiv und aktiv wird oft am ruhigen Markt geführt. Interessant wird er im Stress. Eine Stop-Order ist keine Garantie für einen bestimmten Exit-Preis: In schnellen Märkten kann der Preis zwischen handelbaren Levels springen, Liquidität kann zurückgehen, und die Ausführung kann verspätet, teilweise oder schlechter als geplant erfolgen.
Der 10. Oktober 2025 hat das illustriert: Innerhalb weniger Stunden kam es marktweit zu Liquidationen von rund 19 Mrd. USD. Auf mehreren Derivateplattformen griff Auto-Deleveraging, bei dem auch profitable Gegenpositionen zwangsweise geschlossen werden. Solche Ereignisse treffen passive und aktive Portfolios unterschiedlich — aber beide.
Ein aktives Mandat sollte deshalb nicht nur eine Marktmeinung haben, sondern auch eine Antwort darauf, was passiert, wenn Ausführung und Liquidität nicht wie erwartet funktionieren.

Wann kann aktives Management sinnvoll sein?

Aktives Management kann besonders für Investoren interessant sein, die hohe Drawdowns nicht vollständig akzeptieren möchten, die ihr Krypto-Exposure professionell delegieren wollen oder die eine marktadaptive Strategie innerhalb ihrer Gesamtallokation suchen.
Auch Family Offices und grössere Privatvermögen können von einem dokumentierten Investment- und Risikoprozess profitieren. Dort spielen neben Performance häufig Governance, Reporting und die Integration in das Gesamtvermögen eine grössere Rolle.
Wer dagegen eine sehr langfristige Überzeugung besitzt, nur einen kleinen Portfolioanteil in Krypto hält und starke Schwankungen problemlos toleriert, benötigt möglicherweise kein aktives Mandat.

Aktiv bedeutet nicht risikofrei

Aktive Strategien können falsche Signale erzeugen, zu früh aus Trends aussteigen oder in Seitwärtsmärkten unnötige Verluste verursachen. Sie können ausserdem zeitweise deutlich hinter einem passiven Benchmark zurückbleiben.
Der Anspruch eines seriösen Managers sollte deshalb nicht lauten, jeden Markt vorherzusagen. Entscheidend ist ein konsistenter Prozess, der Wahrscheinlichkeiten bewertet, Risiko begrenzt und Entscheidungen wiederholbar macht. Genau hier liegt die eigentliche Differenz zwischen professionellem Asset Management und diskretionärem Trading ohne klaren Rahmen.

Fazit

Buy & Hold und aktives Krypto Asset Management lösen unterschiedliche Probleme. Buy & Hold bietet Einfachheit und vollständige langfristige Marktteilnahme. Aktives Management bietet die Möglichkeit, Exposure und Risiko an unterschiedliche Marktphasen anzupassen, verlangt dafür aber einen deutlich anspruchsvolleren Prozess.
Welche Variante sinnvoller ist, hängt von Anlagehorizont, Verlusttoleranz, Portfoliogrösse, Zeitaufwand und der Rolle von Krypto im Gesamtvermögen ab. Umgesetzt wird der aktive Weg bei grösseren Vermögen häufig über ein Segregated Managed Account.
Dominik Schneeberger, Gründer & Managing Partner der Digital Estate Group AG, Zug

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Dominik Schneeberger

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