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Crypto Asset Management16. September 20265 Min. Lesezeit

Krypto Vermögensverwaltung in der Schweiz: Was professionelle Investoren wissen sollten

Von Dominik Schneeberger, Gründer & Managing Partner

Verschneite Bergkette
Die Schweiz hat sich zu einem international sichtbaren Standort für Blockchain- und Digital-Asset-Unternehmen entwickelt. Zug und das sogenannte Crypto Valley stehen dabei besonders im Fokus. Für einen Investor ist der Standort allein jedoch noch kein Qualitätsmerkmal.
Wer ein grösseres Krypto-Portfolio professionell verwalten lassen möchte, sollte deutlich tiefer prüfen: Wie ist das Mandat strukturiert? Wie funktioniert die Investmentstrategie? Welche Risiken werden eingegangen? Wer hält die Vermögenswerte? Wie werden Entscheidungen dokumentiert und Ergebnisse berichtet? Einen Überblick über den Schweizer Rahmen geben wir auf unserer Seite zum Krypto Asset Management in der Schweiz.
Professionelle Krypto Vermögensverwaltung ist deshalb weniger eine Frage des Labels als eines belastbaren Investment- und Kontrollprozesses.

Was bedeutet professionelle Krypto Vermögensverwaltung?

Vermögensverwaltung geht über die Auswahl einzelner Coins hinaus. Ein professioneller Prozess definiert zunächst Anlageuniversum, Strategie, Risikoparameter und Verantwortlichkeiten. Darauf folgen Ausführung, laufende Überwachung, Sicherheitsprozesse und Reporting.
Bei Crypto Assets kommen Besonderheiten hinzu. Märkte handeln rund um die Uhr, Liquidität ist über verschiedene Plattformen verteilt und Gegenparteien unterscheiden sich erheblich. Gleichzeitig können Marktregime schnell wechseln und Drawdowns deutlich grösser ausfallen als in vielen traditionellen Anlageklassen.
Deshalb sollte ein Mandat sowohl Investment- als auch Infrastrukturfragen abdecken. Wer nur über Strategie spricht und nicht über Verwahrung, Berechtigungen und Ausführung, beschreibt nur die Hälfte des Risikos.

Welche Mandatsstrukturen gibt es?

Investoren können Digital Assets auf unterschiedliche Weise professionell abbilden. Ein Fonds bündelt das Kapital mehrerer Anleger und bietet eine standardisierte Strategie. Das kann für viele Investoren effizient und praktikabel sein.
Ein Segregated Managed Account führt das Portfolio dagegen individuell. Dadurch können bestimmte Mandatsparameter stärker auf den Investor zugeschnitten werden. Für vermögende Privatkunden, Family Offices oder professionelle Investoren mit grösseren Portfolios kann diese Individualisierung relevant sein.
Daneben existieren Advisory-Modelle, bei denen der Investor Entscheidungen selbst umsetzt. Welche Struktur geeignet ist, hängt von Zielsetzung, Anlagevolumen, regulatorischem Rahmen und gewünschter Delegation ab.

Aktives Management versus Buy & Hold

Krypto-Märkte haben historisch ausgeprägte Aufwärts- und Abwärtszyklen gezeigt. Ein passiver Investor akzeptiert diese Bewegungen vollständig. Das kann sinnvoll sein, wenn ein sehr langer Anlagehorizont besteht und hohe Drawdowns bewusst getragen werden können.
Aktives Management versucht dagegen, Positionierung und Marktexposure an unterschiedliche Marktphasen anzupassen. Je nach Mandat können Long- und Short-Ansätze, reduzierte Exposure-Phasen oder taktische Umschichtungen eingesetzt werden. Wie ein solcher marktadaptiver Prozess aufgebaut sein kann, zeigt unsere Krypto Investmentstrategie.
Der Anspruch sollte dabei nicht lauten, jeden Hoch- und Tiefpunkt vorherzusagen. Entscheidend ist ein wiederholbarer Prozess, der Marktanalyse mit Risikomanagement verbindet.

Warum Risikomanagement wichtiger ist als eine Renditezahl

Eine historische Rendite sagt wenig darüber aus, welches Risiko dafür eingegangen wurde. Zwei Strategien können dieselbe Performance erzielen und völlig unterschiedliche Drawdowns, Hebel oder Gegenparteirisiken aufweisen.
Dazu kommt die Asymmetrie von Verlusten: Nach minus 25 Prozent sind rund 33 Prozent Gewinn nötig, um den Ausgangswert wieder zu erreichen, nach minus 50 Prozent bereits 100 Prozent. Tiefe Drawdowns haben deshalb einen überproportionalen Einfluss auf die langfristige Kapitalentwicklung.
Professionelle Investoren sollten deshalb nach Positionsgrössen, Verlusttoleranz, Drawdown-Logik, Liquidität und Korrelationen fragen. Ebenso relevant ist, wie sich das Portfolio in Stressphasen verhalten soll. Unsere Fachseite zum Risikomanagement für Krypto-Portfolios beschreibt die einzelnen Ebenen im Detail.
Bei grösseren Mandaten kommt die Ausführungsqualität hinzu. Eine Strategie muss auch bei höheren Ordergrössen praktisch umsetzbar bleiben.

Sicherheit, Verwahrung und Gegenparteien

Bei Digital Assets sind operative und technische Risiken unmittelbar Teil des Vermögensrisikos. Börsen können ausfallen, Zugänge können kompromittiert werden und falsche Berechtigungsprozesse können erhebliche Schäden verursachen.
Investoren sollten deshalb verstehen, welche Plattformen verwendet werden, wie Zugriffsrechte strukturiert sind und wie Ein- und Auszahlungen kontrolliert werden. Auch die Frage, wie Vermögensverwaltung und Verwahrung voneinander getrennt sind, ist relevant.
Eine seriöse Sicherheitsarchitektur besteht nicht aus einem einzelnen Tool. Sie ist ein Zusammenspiel aus Technologie, Berechtigungen nach dem Least-Privilege-Prinzip, Prozessen und laufender Überwachung — bei grösseren Mandaten ergänzt um Redundanz über mehrere Handelsplätze und gegebenenfalls Off-Exchange-Custody. Die ausführliche Darstellung findet sich in unserem Research Paper zum Counterparty Risk Management.

Was der Schweizer Rahmen bedeutet — und was nicht

Finanzdienstleister in der Schweiz können als Mitglied einer Selbstregulierungsorganisation (SRO) den Schweizer AML/CFT-Vorschriften unterstehen. Das betrifft Sorgfaltspflichten, Identifikation und laufende Überwachung von Geschäftsbeziehungen.
Wichtig ist die Abgrenzung: Eine solche Unterstellung ist kein Qualitätsurteil über eine Anlagestrategie und keine Garantie gegen Verluste. Sie sagt auch nichts darüber aus, wie ein Manager Positionsgrössen bestimmt oder Gegenparteien auswählt. Regulatorischer Rahmen und Investmentqualität sind zwei getrennte Prüfebenen.
Investoren sollten deshalb konkret fragen, welcher Rahmen für das eigene Mandat gilt, welche Tätigkeiten davon erfasst sind und wo die Grenzen liegen. Bei komplexeren Sachverhalten sollten qualifizierte Rechts- und Steuerberater einbezogen werden.

Reporting und Governance

Ein professionelles Mandat benötigt klare Regeln. Anlageuniversum, Risikoprofil, Verantwortlichkeiten und wesentliche Mandatsgrenzen sollten vor Beginn definiert sein. Im laufenden Reporting sollten Investoren nicht nur die Performance sehen, sondern auch Exposure, Risiko, relevante Portfolioveränderungen und strategischen Kontext.
Transparenz bedeutet dabei nicht, jede operative Entscheidung in Echtzeit zu erklären. Sie bedeutet, dass der Investor nachvollziehen kann, wie das Mandat grundsätzlich geführt wird und welche wesentlichen Risiken bestehen.

Welche Fragen sollten Investoren vor der Mandatierung stellen?

Wie wird die Strategie beschrieben und welche Marktbedingungen sind für sie besonders günstig oder ungünstig? Wie werden Positionsgrössen bestimmt? Welche maximalen Risiken sind vorgesehen? Welche Instrumente dürfen eingesetzt werden?
Wer hält die Vermögenswerte und welche Rechte hat der Manager? Welche Börsen oder Verwahrer werden genutzt? Wie wird Gegenparteirisiko behandelt? Wie häufig erfolgt Reporting und welche Kennzahlen werden dargestellt?
Schliesslich sollte der Investor prüfen, ob Mandatsstruktur und regulatorischer Rahmen zur eigenen Situation passen — und ob die Antworten dokumentiert oder nur mündlich gegeben werden.

Fazit

Eine Schweizer Adresse allein macht noch keine professionelle Krypto Vermögensverwaltung. Entscheidend ist die Qualität des gesamten Systems: Strategie, Risiko, Mandatsstruktur, Sicherheit, Reporting und Verantwortlichkeiten.
Gerade für grössere Portfolios lohnt es sich, diese Ebenen getrennt zu prüfen. So lässt sich besser beurteilen, ob ein Anbieter tatsächlich zu den eigenen Anforderungen passt — ob als vermögender Privatkunde oder als Family Office.
Dominik Schneeberger, Gründer & Managing Partner der Digital Estate Group AG

Autor

Dominik Schneeberger

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