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Family Offices9. September 20266 Min. Lesezeit

Krypto Asset Management für Family Offices: Chancen, Risiken und Strukturen

Von Dominik Schneeberger, Gründer & Managing Partner

Berggipfel unter einer Wolkendecke
Für Family Offices ist Krypto längst nicht mehr ausschliesslich eine Frage nach Bitcoin, Ethereum oder einzelnen Tokens. Die anspruchsvollere Frage lautet: Wie lässt sich eine volatile und technisch komplexe Anlageklasse professionell in eine bestehende Vermögensstruktur integrieren?
Ein Family Office betrachtet Investments typischerweise nicht isoliert. Liquidität, Risikobudget, Governance, steuerliche und rechtliche Rahmenbedingungen, Reporting sowie die Beziehung zu Banken, Verwahrern und externen Managern spielen zusammen. Genau deshalb unterscheidet sich professionelles Krypto Asset Management für Family Offices deutlich vom privaten Handel über ein einzelnes Exchange-Konto.
Eine belastbare Crypto-Allokation beginnt daher nicht mit der Frage nach dem nächsten Trade, sondern mit der Rolle, die Digital Assets innerhalb des Gesamtvermögens erfüllen sollen.

Welche Rolle soll Krypto im Gesamtvermögen spielen?

Ein Family Office kann Digital Assets aus unterschiedlichen Gründen halten. Manche Familien betrachten Bitcoin primär als langfristige strategische Allokation. Andere wollen aktiv Marktzyklen nutzen. Wieder andere möchten mehrere Ansätze kombinieren, beispielsweise einen langfristigen Kernbestand mit einem aktiv gesteuerten Mandat.
Aus dieser Zielsetzung ergeben sich unterschiedliche Anforderungen. Eine langfristige strategische Position benötigt andere Liquiditäts- und Risikoparameter als ein aktives Long-/Short-Mandat. Auch die Frage, wie hoch die Allokation im Verhältnis zum Gesamtvermögen sein soll, kann nicht losgelöst von Verlusttoleranz und Liquiditätsbedarf beantwortet werden.
Hilfreich ist eine einfache Gegenprobe: Welcher Prozentsatz des Gesamtvermögens dürfte in einem harten Krypto-Bear-Market temporarä verloren gehen, ohne dass Ausschüttungen, Immobilienprojekte oder unternehmerische Vorhaben der Familie berührt werden? Diese Zahl begrenzt die Allokation — nicht die Renditeerwartung.
Die Crypto-Allokation sollte deshalb Teil der übergeordneten Asset Allocation sein. Nur dann lässt sich beurteilen, welches Risiko tatsächlich auf Ebene des Gesamtvermögens entsteht.

Aktives Management oder strategisches Halten?

Buy & Hold ist transparent und operativ vergleichsweise einfach. Der Investor partizipiert vollständig an langfristigen Aufwärtsbewegungen, trägt aber auch die ausgeprägten Drawdowns der Anlageklasse.
Aktives Management verfolgt einen anderen Ansatz. Marktexposure, Positionierung und gegebenenfalls die Richtung des Portfolios können an unterschiedliche Marktregime angepasst werden. Ziel ist nicht, jede Bewegung vorherzusagen, sondern einen regelbasierten Prozess für Chancen und Risiken zu etablieren — so, wie wir ihn in unserer Krypto Investmentstrategie beschreiben.
Für ein Family Office ist dabei weniger entscheidend, welcher Ansatz theoretisch die höchste Rendite verspricht. Wichtiger ist, welcher Ansatz zum Risikobudget, zur Governance und zur Rolle von Krypto im Gesamtportfolio passt.

Warum eine SMA-Struktur interessant sein kann

Standardisierte Fondsprodukte können für viele Anleger sinnvoll sein. Ein Family Office hat jedoch häufig spezifischere Anforderungen: individuelle Risikolimits, bestehende Token-Bestände, bestimmte Ausschlüsse, Reporting-Vorgaben oder die Notwendigkeit, Verantwortlichkeiten klar zu trennen.
Ein Segregated Managed Account kann hierfür eine geeignete Struktur sein. Das Mandat wird separat geführt und nicht mit dem Vermögen anderer Anleger in einem gemeinsamen Fondsvermögen gebündelt. Dadurch lassen sich Strategie und Risikoparameter innerhalb des möglichen Rahmens stärker individualisieren, und die Rollen von Eigentümer, Verwahrer und Manager bleiben sauber getrennt.
Diese Individualisierung ist besonders bei grösseren Mandaten relevant. Gleichzeitig ersetzt die SMA-Struktur weder eine sorgfältige Due Diligence noch ein professionelles Risikomanagement.

Die fünf Risikofelder, die ein Family Office prüfen sollte

Marktrisiko. Crypto Assets können innerhalb kurzer Zeit erhebliche Kursverluste verzeichnen. Das Risikobudget muss solche Szenarien berücksichtigen.
Liquidität und Ausführung. Bei grösseren Positionen können Ordergrösse, Marktliquidität und Slippage einen messbaren Einfluss auf das Ergebnis haben. Ein Preis auf dem Bildschirm ist nicht automatisch der Preis, zu dem eine grosse Position vollständig ausgeführt wird.
Gegenparteien. Börsen, Broker, Verwahrer und weitere Infrastrukturpartner schaffen zusätzliche Abhängigkeiten, die unabhängig von der Marktmeinung wirken.
Operative Sicherheit. Zugriffsrechte, Transfers, Authentifizierung und Freigabeprozesse sind bei digitalen Vermögenswerten unmittelbar vermögensrelevant — sie gehören zur Sicherheits- und Verwahrarchitektur, nicht in die IT-Abteilung allein.
Governance. Es muss klar sein, wer welche Entscheidungen treffen darf, welche Mandatsgrenzen gelten und wie Abweichungen oder besondere Ereignisse behandelt werden.

Gegenparteien: die Ebene, die oft zu spät geprüft wird

Ein Investor kann mit seiner Marktanalyse richtig liegen und trotzdem Vermögen verlieren, wenn eine kritische Gegenpartei ausfällt. 2018 verschwand bei der italienischen Börse BitGrail ein erheblicher Bestand an Nano-Coins, die Börse stellte den Betrieb ein. 2022 fiel mit FTX eine der grössten Handelsplattformen aus, während die zugrunde liegenden Blockchains unverändert weiterliefen. Nicht das Asset war das Problem, sondern die Gegenpartei davor.
Für ein Family Office ist deshalb die Verteilung relevanter als das Vertrauen in einen einzelnen Anbieter. Wird das Trading-Exposure beispielsweise gleichmässig auf vier voneinander unabhängige Handelsplätze verteilt, begrenzt ein isolierter Totalausfall einer Gegenpartei den unmittelbaren Schaden rechnerisch auf 25 Prozent des verteilten Portfolios statt auf 100 Prozent. Dieser Effekt gilt unabhängig davon, wie wahrscheinlich ein solcher Ausfall ist.
Redundanz hat allerdings Grenzen und Kosten. Mehr Accounts bedeuten mehr APIs, Zugangsdaten, Reconciliation und Monitoring. Und sie wirkt vor allem gegen idiosynkratische Einzelereignisse: Systemische Ereignisse können mehrere Handelsplätze gleichzeitig treffen. Der 10. Oktober 2025 hat das gezeigt — marktweite Liquidationen von rund 19 Mrd. USD, Auto-Deleveraging auf mehreren Derivateplattformen und zeitgleiche Liquiditätsengpässe. Entscheidend ist deshalb nicht die Anzahl der Gegenparteien, sondern die Unabhängigkeit ihrer Ausfallursachen.
Eine ausführliche Darstellung dieser Architektur — einschliesslich Off-Exchange-Custody, Least Privilege und einer Eskalationslogik für den Ernstfall — findet sich in unserem Research Paper «Counterparty Risk Management for Crypto Assets».

Reporting für Investment Committee und Eigentümerfamilie

Professionelles Reporting sollte mehr leisten als eine monatliche Performancezahl. Ein Family Office muss nachvollziehen können, wie das Portfolio positioniert ist, welches Risiko getragen wird und welche wesentlichen Veränderungen stattgefunden haben.
Je nach Struktur können Performance, Exposure, Drawdown, wesentliche Positionen, Risikoereignisse und ein kurzer strategischer Marktkommentar relevant sein. Das Reporting sollte dabei nicht mit Daten überladen werden. Entscheidend ist, dass es in bestehende Entscheidungs- und Kontrollprozesse integriert werden kann.
Gerade wenn mehrere externe Manager oder Banken beteiligt sind, erhöht eine konsistente Berichtslogik die Vergleichbarkeit und erleichtert die Gesamtsteuerung.

Wie sollte ein Family Office einen Krypto-Manager beurteilen?

Neben Performancehistorie und Strategie sollte das Family Office den Investmentprozess verstehen. Wie entstehen Entscheidungen? Welche Faktoren bestimmen Positionsgrössen? Wie wird in Verlustphasen reagiert? Welche Instrumente und Handelsplätze werden verwendet?
Ebenso wichtig sind Infrastruktur und Organisation. Wer hat Zugriff auf welche Systeme? Wie werden Gegenparteien ausgewählt? Wie funktioniert Reporting? Welche regulatorischen Rahmenbedingungen gelten für das konkrete Mandat? Bei grösseren Portfolios kommen Ausführungsqualität und Liquiditätsmanagement als eigene Prüfpunkte hinzu.
Ein professioneller Due-Diligence-Prozess sollte zudem unterscheiden zwischen Marketingaussagen und tatsächlich dokumentierten Prozessen. Gerade in einer jungen Anlageklasse ist diese Trennung wesentlich. Eine einfache Prüffrage: Lässt sich jede Aussage über Risiko, Verwahrung oder Ausführung mit einem Dokument, einem Vertrag oder einem Report belegen?

Fazit

Für Family Offices liegt die Herausforderung nicht darin, Zugang zu Crypto Assets zu erhalten. Dieser Zugang ist heute vergleichsweise einfach. Die eigentliche Aufgabe besteht darin, aus einer technisch und marktseitig komplexen Anlageklasse einen kontrollierten Investmentprozess zu machen.
Eine klare strategische Rolle, ein passendes Mandatsmodell, professionelles Risikomanagement, belastbare Infrastruktur und nachvollziehbares Reporting bilden dafür die Grundlage.
Dominik Schneeberger, Gründer & Managing Partner der Digital Estate Group AG

Autor

Dominik Schneeberger

Gründer & Managing Partner

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